Zum Inhalt springen
Remote arbeiten im Ausland: Was erlaubt ist
Ratgeber

Remote arbeiten im Ausland: Was erlaubt ist

Keine Rechts- oder Steuerberatung: Dieser Beitrag gibt eine allgemeine Orientierung auf dem Stand der Recherche wieder. Regeln, Gebühren und Fristen ändern sich laufend und hängen vom Einzelfall ab. Verifiziere die für dich relevanten Punkte vor Reiseantritt bei den zuständigen Stellen (siehe Quellen) und stimme dich mit Arbeitgeber, Steuerberatung und Versicherung ab.

Remote arbeiten bedeutet zunächst nur: Du arbeitest nicht im Büro, sondern von einem anderen Ort aus, verbunden über Laptop und Internet. Technisch ist es egal, ob dieser Ort dein Wohnzimmer oder eine Wohnung in Lissabon ist. Rechtlich ist es das nicht. Sobald du die Grenze überquerst, stellen sich Fragen, die im Homeoffice keine Rolle spielen: Darf ich das überhaupt? Bleibe ich in der deutschen Sozialversicherung? Wo zahle ich Steuern? Brauche ich ein Visum? Dieser Ratgeber richtet sich an Angestellte deutscher Arbeitgeber und zeigt, welche Punkte du vor der Abreise klären musst. Er ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung, jeder Fall hängt von Zielland, Dauer und Vertrag ab.

Was remote arbeiten bedeutet – und was eine Workation davon unterscheidet

Im deutschen Recht gibt es für das Arbeiten außerhalb des Büros zwei Begriffe. Telearbeit ist in § 2 Abs. 7 der Arbeitsstättenverordnung eng definiert: ein vom Arbeitgeber fest eingerichteter Bildschirmarbeitsplatz im Privatbereich, mit vereinbarter Arbeitszeit und Ausstattung. Alles, was ortsflexibel per Laptop passiert, läuft meist unter mobiler Arbeit. Remote arbeiten im Ausland ist fast immer mobile Arbeit. Eine Workation ist eine Sonderform davon: ein befristeter Aufenthalt an einem anderen Ort, bei dem du arbeitest und den Ort nebenbei auch genießt. Digitale Nomaden sind dagegen dauerhaft unterwegs, oft ohne festen Wohnsitz und häufig selbstständig. Für sie gelten andere Fragen, etwa wo überhaupt noch ein Wohnsitz besteht. Dieser Ratgeber behandelt den häufigeren Fall: Du bist angestellt, wohnst in Deutschland und arbeitest für eine begrenzte Zeit aus dem Ausland.

  • Telearbeit (§ 2 Abs. 7 ArbStättV): fest eingerichteter Arbeitsplatz zu Hause, vom Arbeitgeber ausgestattet
  • Mobile Arbeit: ortsflexibel per Laptop – darunter fällt Remote-Arbeit im Ausland
  • Workation: befristeter Aufenthalt mit Arbeit, Wohnsitz bleibt in Deutschland
  • Digitale Nomaden: dauerhaft unterwegs, oft selbstständig – rechtlich ein eigenes Thema

Ohne Zustimmung des Arbeitgebers geht es nicht

Einen gesetzlichen Anspruch auf mobile Arbeit gibt es in Deutschland nicht. Das Bundesarbeitsministerium schreibt dazu, dass es eine gesetzliche Regelung „noch nicht" gibt. Du kannst den Wunsch also äußern, dein Arbeitgeber muss aber nicht zustimmen. Erlaubt dein Arbeitsvertrag oder eine Betriebsvereinbarung mobiles Arbeiten, heißt das noch nicht, dass das auch im Ausland gilt – viele Regelungen beschränken den Arbeitsort ausdrücklich auf Deutschland. Gibt es einen Betriebsrat, hat er bei der Ausgestaltung mobiler Arbeit ein Mitbestimmungsrecht (§ 87 Abs. 1 Nr. 14 BetrVG). Frag deshalb zuerst, ob es eine Betriebsvereinbarung oder Richtlinie zur Auslandsarbeit gibt. Arbeitest du ohne Absprache heimlich aus dem Ausland, riskierst du arbeitsrechtlichen Ärger und bringst deinen Arbeitgeber in Haftungsfragen, die er nicht einschätzen kann.

  • Kein gesetzlicher Anspruch auf mobile Arbeit, auch nicht im Inland
  • Arbeitsvertrag und Betriebsvereinbarung prüfen: Ist der Arbeitsort auf Deutschland begrenzt?
  • Betriebsrat bestimmt bei der Ausgestaltung mobiler Arbeit mit (§ 87 Abs. 1 Nr. 14 BetrVG)
  • Genehmigung schriftlich einholen: Land, Zeitraum, Erreichbarkeit, Kosten
  • Nicht heimlich arbeiten – das Risiko trägt am Ende auch der Arbeitgeber

Sozialversicherung: A1-Bescheinigung und die Grenzen des Telearbeits-Abkommens

Arbeitest du vorübergehend in einem anderen EU-Staat, im EWR oder in der Schweiz, kann das sozialversicherungsrechtlich eine Entsendung sein. Dann bleibst du im deutschen System. Die DVKA stellt klar, dass auch eine Workation, die du selbst angestoßen hast, eine Entsendung nicht ausschließt. Voraussetzung ist unter anderem, dass der Einsatz im Voraus auf höchstens 24 Monate begrenzt ist. Als Nachweis dient die A1-Bescheinigung, die dein Arbeitgeber seit dem 1. Januar 2025 nur noch elektronisch beantragen kann. Häufig verwechselt wird das seit dem 1. Juli 2023 geltende Rahmenübereinkommen zur Telearbeit: Es betrifft Beschäftigte, die in einem anderen Staat wohnen als dem ihres Arbeitgebers und zwischen 25 % und weniger als 50 % ihrer Arbeitszeit im Wohnstaat arbeiten. Für eine Workation von Deutschland aus in ein anderes Land ist es nicht gedacht. Außerhalb der EU hängt alles davon ab, ob Deutschland mit dem Zielland ein Sozialversicherungsabkommen hat.

  • Vorübergehende Arbeit im EU-Ausland kann als Entsendung gelten – Nachweis über A1
  • Auch eine selbst angestoßene Workation schließt eine Entsendung laut DVKA nicht aus
  • Entsendung: im Voraus befristet, höchstens 24 Monate
  • A1 beantragt der Arbeitgeber, seit 1.1.2025 nur elektronisch
  • Rahmenübereinkommen Telearbeit gilt für Arbeit im Wohnstaat, nicht für die Workation
SituationWas in der Regel gilt
Wohnsitz in Deutschland, befristet remote aus einem EU-StaatEntsendung möglich, A1-Bescheinigung als Nachweis
Wohnsitz in einem EU-Nachbarstaat, Arbeitgeber in Deutschland, 25 % bis unter 50 % Telearbeit im WohnstaatRahmenübereinkommen Telearbeit, wenn beide Staaten beigetreten sind
Remote-Arbeit in einem Staat außerhalb der EUAbhängig davon, ob ein Sozialversicherungsabkommen besteht – Einzelfall
Vereinfachte Übersicht nach Angaben der DVKA. Details und Länderlisten im Ratgeber Sozialversicherung & A1.

Steuern: Die 183-Tage-Regel ist nur eine Faustregel

Die bekannteste Zahl im Thema ist die 183-Tage-Regel. Sie stammt aus den Doppelbesteuerungsabkommen und regelt, welcher Staat deinen Arbeitslohn besteuern darf. Sie greift aber nur, wenn weitere Bedingungen erfüllt sind, und der Zeitraum, über den gezählt wird, ist nicht in jedem Abkommen gleich. Für dich als Angestellten mit Wohnung in Deutschland bleibt die deutsche Steuerpflicht meist bestehen. Das größere Risiko liegt oft beim Arbeitgeber: Arbeitest du längere Zeit von einem festen Ort im Ausland aus, kann das Zielland darin eine Betriebsstätte sehen. Das deutsche Recht definiert eine Betriebsstätte in § 12 AO als jede feste Geschäftseinrichtung, die der Tätigkeit eines Unternehmens dient. Entsteht im Ausland eine Betriebsstätte, kann dein Arbeitgeber dort selbst steuerpflichtig werden. Deshalb begrenzen viele Firmen Dauer und Länder für Remote-Arbeit so streng.

  • 183-Tage-Regel aus dem DBA: nur eine Faustregel, mit Zusatzbedingungen
  • Zählzeitraum unterscheidet sich je nach Abkommen
  • Behältst du deine Wohnung in Deutschland, bleibst du hier meist steuerpflichtig
  • Betriebsstätten-Risiko (§ 12 AO) trifft vor allem den Arbeitgeber
  • Vor Ort keine Verträge abschließen und keine Kunden akquirieren

Einreise und Arbeitsrecht im Zielland

Als deutsche Staatsangehörige hast du in der EU Freizügigkeit: Du darfst in jedem EU-Staat leben und arbeiten. Bleibst du länger als drei Monate, musst du dich nach Angaben der EU-Kommission in der Regel bei den Behörden anmelden, manche Staaten verlangen auch früher eine Meldung. Die Schengen-Regel mit 90 Tagen in 180 Tagen betrifft Nicht-EU-Bürger, nicht dich. Außerhalb der EU ist es anders: Visumfreie Einreise bedeutet fast nie, dass du dort auch arbeiten darfst. Das Auswärtige Amt nennt für die USA ausdrücklich Tourismus, Geschäftsreisen und Transit als Zweck der visumfreien Einreise und warnt, keine Arbeit ohne Arbeitserlaubnis aufzunehmen, auch nicht in geringem Umfang. Für Hongkong gilt die visumfreie Einreise nur, wenn keine Erwerbstätigkeit geplant ist. Ob Remote-Arbeit für einen deutschen Arbeitgeber darunter fällt, legt jedes Land selbst fest. Manche Staaten bieten eigene Visa für Remote-Arbeit an. Prüfe die Regeln immer auf der Länderseite des Auswärtigen Amts und bei der Botschaft des Ziellandes.

  • EU/EWR: Freizügigkeit, ab drei Monaten meist Anmeldung vor Ort
  • Schengen 90/180 betrifft Deutsche innerhalb der EU nicht
  • Außerhalb der EU: visumfrei heißt meist nicht arbeitsberechtigt
  • Beispiel USA: visumfreie Einreise nur für Tourismus, Geschäftsreisen, Transit
  • Spezielle Remote-Work-Visa gibt es in einigen Ländern – Bedingungen bei der Botschaft prüfen

Arbeitszeit, Zeitzonen und Datenschutz

Das Arbeitszeitgesetz begrenzt die tägliche Arbeitszeit auf acht Stunden, mit Verlängerung auf bis zu zehn Stunden, wenn der Durchschnitt über sechs Monate bei acht Stunden bleibt (§ 3 ArbZG). Nach Feierabend gilt eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden (§ 5 ArbZG). Das BMAS stellt klar, dass diese Vorgaben unabhängig vom Arbeitsort gelten, etwa auch im Homeoffice. Bei großen Zeitverschiebungen wird das schnell zum Problem: Wer morgens lokal arbeitet und abends noch in den Teamcall um 17 Uhr deutscher Zeit geht, reißt leicht die Ruhezeit. Plane deshalb feste Kernzeiten, in denen du für das Team erreichbar bist, und erfasse deine Arbeitszeit sauber. Beim Datenschutz gilt: Greifst du aus einem Land außerhalb der EU auf personenbezogene Daten zu, kann das ein internationaler Datentransfer sein. Firmen-VPN, verschlüsseltes Gerät und Zwei-Faktor-Anmeldung sind das Minimum.

  • Höchstens 8 Stunden täglich, bis 10 mit Ausgleich (§ 3 ArbZG)
  • Mindestens 11 Stunden Ruhezeit am Stück (§ 5 ArbZG)
  • Kernzeiten mit dem Team vereinbaren, die zu beiden Zeitzonen passen
  • Arbeitszeit erfassen – das BAG verlangt seit 2022 eine Erfassung der gesamten Arbeitszeit
  • Zugriff von außerhalb der EU mit dem Arbeitgeber abstimmen (DSGVO)

Checkliste vor der Abreise

Die meisten Probleme entstehen nicht vor Ort, sondern weil vorher etwas nicht geklärt wurde. Geh die folgenden Punkte mit deinem Arbeitgeber durch, bevor du buchst. Je länger der Aufenthalt und je weiter weg das Ziel, desto eher lohnt sich zusätzlich Steuerberatung.

  • Erst Freigabe, dann Buchung: Unterkunft und Flug erst nach der schriftlichen Zusage
  • Bei Zielen außerhalb der EU früh anfangen – Visa und Abkommensfragen brauchen Zeit
  • Arbeitstage und Aufenthaltsorte während der Reise dokumentieren
ThemaWas du klärstMit wem
GenehmigungSchriftliche Freigabe mit Land, Zeitraum und ErreichbarkeitArbeitgeber, ggf. Betriebsrat
SozialversicherungA1-Bescheinigung (EU/EWR/CH) oder Lage im Zielland ohne AbkommenArbeitgeber, Krankenkasse, DVKA
KrankenversicherungEHIC im EU-Raum, außerhalb AuslandskrankenversicherungKrankenkasse, Versicherer
SteuernSteuerpflicht, Aufenthaltsdauer, Betriebsstätten-RisikoArbeitgeber, Steuerberatung
EinreiseDarf ich mit meinem Status im Zielland arbeiten?Auswärtiges Amt, Botschaft des Ziellandes
ArbeitszeitKernzeiten, Zeitzone, ZeiterfassungTeam, Vorgesetzte
IT und DatenschutzVPN, Verschlüsselung, erlaubte Daten aus dem AuslandIT-Abteilung, Datenschutz

Quellen

Geprüfte, überwiegend amtliche Quellen. Stand der Recherche – bitte vor wichtigen Entscheidungen direkt bei der Quelle gegenprüfen.


Destination für deine nächste Workation suchen?

WorkationBase hilft dir, Colivings und Workation-Ziele zu finden, die zu deinem Arbeitsstil passen – mit Filtern für Klima, WLAN, Kosten und Visa-Freiheit.

Destinationen erkunden